Pressemitteilungen der Föderation Conterganbehinderter und deren Freunde e.V. von 1987 bis 2007.

Hier finden Sie eine Auswahl der wichtgsten Pressemitteilungen und Presseerklärungen der Föderation Conterganbehinderter und deren Freunde e.V. von 1987 bis 2007.

Die Föderation Conterganbehinderter und deren Freunde e.V. ist Kooperationspartner und der Vorgänger des BCG.

Die Föderation Conterganbehinderter und deren Freunde e.V. vertrat 36 Jahre lang contergangeschädigte Betroffene im ganzen Bundesgebiet. Seit ihrer Gründung im Jahre 1981 setzte sie sich für die Durchsetzung einer gerechten Entschädigung für alle Contergangeschädigten gegenüber der Firma Grünenthal GmbH ein. Eine weiterer Schwerpunkt der Arbeit der Föderation lag in einer wahrheitsgemäßen und von Falschmeldungen seitens der Firma Grünenthal befreiten Darstellung der Conterganhistorie in der Öffentlichkeit. Die Föderation wurde 1981 gegründet, weil der damalige Bundesverband der Eltern körpergeschädigter Kinder e.V. (heute: Bundesverband Contergangeschädigter e.V.) alles daran gesetzt hat, eine Durchsetzung der Rechte der contergangeschädigten Betroffenen gegenüber der Firma Grünenthal zu verhindern.

Bis zur Vorstellung des BCG in der Öffentlichkeit am 25.09.2007 hat sie noch öffentlich agiert.

Ihre Arbeit ist nun vollständig vom BCG übernommen worden.

Die frühere Webseite der Föderation finden Sie hier.

Die Webseite der Föderation wird nicht mehr aktualisiert.

Urteile des Hamburger Landgerichts zum Conterganfilm ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Gerechtigkeit im Conterganskandal



Presseerklärung vom 15.05.2007


Die am 15. Mai 2007 vom Landgericht Hamburg aufgehobenen einstweiligen Verfügungen gegen den Conterganspielfilm „Eine einzige Tablette” sind nach Auffassung der Föderation Conterganbehinderter und deren Freunde e.V. ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Gerechtigkeit im Conterganskandal.

„Nach nahezu 40 Jahren Entrechtung der Conterganopfer und Begünstigung der Firma Grünenthal durch die deutsche Justiz heben sich die Entscheidungen des Landgerichts Hamburg und die zuvor verkündeten Urteile des Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg als wohltuende Lichtpunkte aus einer dunklen Periode von Unrechtsurteilen hervor.” so Andreas Meyer, 1. Vorsitzender der Föderation.

„In Sachen Contergan scheinen diese beiden Gerichte gereift zu sein. Denn erstmalig durch ihre Richter mußten die gemeinschädlichen Bestrebungen der Firma Grünenthal vor den Interessen der Allgemeinheit zurück weichen.” so Meyer weiter.

Die Föderation erhofft sich durch die Freigabe des Spielfilms eine breit angelegte Sensibilisierung der Öffentlichkeit für den Kampf der Conterganopfer um eine gerechte Entschädigung. „Wir möchten mit unserem Engagement ein Exempel statuieren, dass Schule macht, und in anderen Opfern von Pharmazieskandalen den Mut wachsen läßt, es uns gleich zu tun.” so Meyer.

Nach den Erfolgaussichten dieses Vorhabens gefragt, antwortet Meyer: „Nichts kann uns aufhalten außer der Verrat und der Kleinmut in unseren eigenen Reihen. Und wie sich Verräter nach einiger Zeit bloß stellen, dass sieht man an dem Kläger Karl-Herrmann Schulte-Hillen.”

Karl-Herrmann Schulte-Hillen ist selbst Vater eines Contergankindes und vertrat viele Eltern im Conterganstrafprozeß. Unter den Conterganopfern wird die Tatsache, dass er heute gemeinsam mit der Firma Grünenthal den Spielfilm verhindern möchte, mittlerweile vielfach als Verrat gewertet.


Unsere letzte Pressemitteilungen zu dem obigen Themenkomplex v. 10. April 2007 und v. 12. Februar 2007 sowie weiteres Informationsmaterial zu der Person Karl-Hermann Schulte-Hillen können Sie in unserem Pressefach bei www.pressrelations.de abrufen.

OLG Urteile zum Conterganfilm gewichtiger Meilenstein
in Prozeßhistorie des Conterganskandals



Presseerklärung vom 10.04.2007


Nach Auffassung der Föderation Conterganbehinderter und deren Freunde e.V. sind die am 10. April 2007 vom Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg in der Auseinandersetzung um den Conterganspielfilm „Eine einzige Tablette” verkündeten Urteile (- obwohl es sich nur um einen Teilerfolg handelt -) ein gewichtiger Meilenstein in der Prozeßhistorie des Conterganskandals.

„Erstmalig wurde die Firma Grünenthal mit einem Anliegen in Sachen Contergan von einem deutschen Gericht deutlich in ihre Schranken verwiesen.” so Andreas Meyer, 1. Vorsitzender der Föderation.

„Der durchsichtige Versuch der Firma Grünenthal und ihres Handlangers Karl-Herrmann Schulte-Hillen einen Spielfilm zu unterbinden, der vor allem zeigt, mit welchen schmutzigen Gaunereien sich Grünenthal beim Conterganskandal aus der Verantwortung stehlen wollte, ist damit (vorerst) gescheitert.” so Meyer weiter.

Für die Föderation ist es dabei nebensächlich, in welcher Nuancierung die eher verharmlosende Darstellung der Gaunereien Grünenthals von den wirklichen Ereignissen abweicht. „Für uns ist entscheidend, dass mit dem Spielfilm gezeigt wird, dass es solche Gaunereien seitens der Firma Grünenthal überhaupt gegeben hat.” so Meyer.

Die Föderation erinnert daran, dass es zum Conterganskandal vor mehr als 45 Jahren nur deswegen gekommen ist, weil die Firma Grünenthal schon damals ihr Gewinnstreben und die Sorge um ihr Firmenimage über die Interessen der Allgemeinheit gestellt hat.

Eine Ausstrahlung des Spielfilmes könnte nach Auffassung der Föderation die Öffentlichkeit oder sogar die Contergan-Opfer selbst - angesichts der schlimmen gesundheitlichen Situation vieler Betroffener - auf den Gedanken bringen, dass die Geschädigten bis heute stets von Grünenthal über den Tisch gezogen wurden und infolgedessen eine gerechte Entschädigung verlangen sollten.


Unsere letzte Pressemitteilung v. 12. Februar 2007 zu dem obigen Themenkomplex hinsichtlich der Person Karl-Hermann Schulte-Hillen und weiteres Informationsmaterial können Sie in unserem Pressefach bei www.pressrelations.de abrufen.

Vom Paulus zum Saulus oder das Strickwerk alter Seilschaften

Aufklärendes zu der Auseinandersetzung
um den Conterganfilm „Nur eine Tablette”



Pressemitteilung vom 12.02.2007


Zur Zeit beschäftigt sämtliche Medienjournalisten drei Fragen:


Warum möchte einer der ehemaligen Geschädigtenanwälte im Conterganstrafprozeß, der Rechtsanwalt Karl-Hermann Schulte-Hillen, die Ausstrahlung eines Filmes verhindern, in dem er als beherzter Opferanwalt gezeigt wird, der sich selbstlos und unbeugsam für die Rechte der Contergangeschädigten eingesetzt hat?

Warum geht er gemeinsam mit seinem ehemaligen Prozeßgegner, dem Conterganherstellerunternehmen Grünenthal GmbH der Familie Wirtz in Stolberg bei Aachen, gegen diesen Film vor?

Wird durch ein gerichtliches Verbot dieses Filmes die Kunstfreiheit eingeschränkt?



Wir möchten gerne auf diese Fragen eingehen, indem wir die richtigen Schlüsselfragen stellen:


War das Tun und Wirken von Herrn Schulte-Hillen tatsächlich immer so selbstlos, wie es der Film darstellen möchte?

Allgemein bekannt ist, dass Herr Schulte-Hillen den Humangenetiker Prof. Dr. Widukind Lenz dabei unterstützte, die angeblich so „freiwillige” Marktentnahme von Contergan und anderen thalidomidhaltigen Präparaten gegenüber Grünenthal durchzusetzen.

Bekannt ist auch, dass Herr Schulte-Hillen Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des Bundesverbandes der Eltern körpergeschädigter Kinder e.V. (heute: Bundesverband Contergangeschädigter e.V.; im Folgenden: „Bundesverband”) war.

Weniger bekannt ist allerdings, dass während seiner Amtszeit im Bundesvorstand schon bald ein Spendenbetrag in Höhe von knapp 100.000,- DM verschwand, über dessen Verbleib er keine Rechenschaft ablegen konnte (Artikel im Spiegel Nr. 17 / 1969).

Weniger bekannt ist auch, dass er den Eltern im Conterganstrafprozeß versprach, seine Anwaltstätigkeit würde nicht mehr als 20 ,- DM pro Elternpaar betragen, dann aber später Zahlungen in Höhe von 300,- und 500,- DM von ihnen verlangte (Artikel im Spiegel Nr. 17 / 1969).

Danach wurde er nicht mehr in den Bundesvorstand wiedergewählt.


War Herr Schulte-Hillen überhaupt der alleinige und maßgebliche Urheber des 100 Millionen DM Vergleichs mit der Firma Grünenthal GmbH?

Herr Schulte-Hillen hat zwar an den Vergleichsverhandlungen teilgenommen.

Verfasser, alleiniger Vertragspartner und Unterzeichner des mit der Firma Grünenthal GmbH am 10. April 1970 ausgehandelten Vergleichs über 100 Millionen DM plus Zinsen war jedoch der Opferanwalt Dr. Dr. Rupert Schreiber.

Herr Dr. Dr. Rupert Schreiber war auch später bei der Vergleichsabwicklung der Treuhänder unserer Eltern.

Nach den oben erwähnten Skandalen hat Herr Schulte-Hillen auf ein Treuhandmandat verzichtet.


Stand Herr Schulte-Hillen stets so redlich und unbeugsam auf der Seite der Conterganopfer?

Hierzu ist zu erwähnen, dass Herr Schulte-Hillen bereits während einer Verhandlung im Conterganstrafprozeß für den verstorbenen Grünenthalangeklagten Chauvistré eine Laudatio hielt.

Etwas später wurde er Duzfreund des ehemaligen Syndikus der Firma Grünenthal, Herbert Wartensleben.

Die Familie Wartensleben wohnt mit der Familie Wirtz, den Eigentümern der Grünenthal GmbH, in unmittelbarer Nachbarschaft und ist auch sonst freundschaftlich mit ihr verbunden.

Die Kinder der Familien Wirtz und Wartensleben gingen gemeinsam zur Schule. Die Kinder der Familien Wartensleben und Schulte-Hillen spielten gemeinsam im Garten (Spiegel-Artikel Nr. 47 / 2006).

Die Freundschaft zwischen Herrn Schulte-Hillen, dem Grünenthalanwalt Wartensleben und dann auch dem Bundesverbandsvorsitzenden Hans-Helmut Schleifenbaum wurde insbesondere zu einem Zeitpunkt gepflegt, als Grünenthal den Opferanwalt Dr. Dr. Rupert Schreiber auf Herausgabe der Vergleichsmillionen verklagte, um mit diesem unseren Geld ein Garantieversprechen zu bezahlen, das Grünenthal zuvor abgegeben hatte, um das Stiftungsgesetz unabhängig von dem Willen unserer Eltern in Kraft zu setzen.

Das einzige Ziel der Firma Grünenthal GmbH war es, mit dem Inkrafttreten des Stiftungsgesetzes eine darin enthaltene Bestimmung (ehemals § 23) ins Leben zu rufen, die für alle Zeiten eine Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen durch uns Contergan-Opfer - auch wegen unserer Folgeschäden ! - gegenüber Grünenthal ausschließen sollte.

Damit dieses Ziel sicher verwirklicht werden konnte, war es eine der vielen Aufgaben des Freundschaftstrios Schulte-Hillen, Wartensleben und Schleifenbaum, den Opferanwalt Dr. Dr. Rupert Schreiber zugunsten Grünenthals in der Elternschaft zu diskreditieren und auszuschalten. Während sein Intimus Schulte-Hillen im Hintergrund agierte, ging der damalige Bundesverbandsvorsitzenden Schleifenbaum sogar so weit, in einem Rundschreiben an die Eltern ein Formular beizulegen, mit denen die Eltern dem Opferanwalt Schreiber das Mandat entziehen sollten, um den Grünenthalanwälten Dörr und Wartensleben die Gesamttreuhänderschaft über die Vergleichsmillionen zu übertragen.

Nach dem Inkrafttreten des Stiftungsgesetzes erhielten die Herren Wartensleben und Schulte-Hillen je einen Vorsitzposten in den Kommissionen der Stiftung. Schleifenbaum kam in den Stiftungsvorstand.

Vor einiger Zeit wurde über den conterganbehinderten Sohn von Herrn Schulte-Hillen bekannt, dass die Kommissionsmitglieder der Conterganrentenstiftung über Jahre hinweg Auslagen, Hotelübernachtungen, Verköstigungen von Grünenthal erhalten haben.

Vermittelt wurden diese Zahlungen von dem Grünenthalanwalt Wartensleben.


Was war und ist der Zweck der Allianz zwischen Grünenthal, Herrn Schulte-Hillen und anderen Funktionären des Bundesverbandes?


Zweck dieser Allianz war und ist es, die Interessenvertretung der Contergan-Opfer zugunsten Grünenthals zu korrumpieren.

Vorher war es den Grünenthaleigentümern Wirtz schon gelungen, ein Strafprozeßurteil zu verhindern.

Ihnen war es ferner gelungen, aufgrund der Notlage der Eltern die ursprüngliche Schadensersatzsumme von 10 Milliarden DM mit dem Vergleich vom 10.4.1970 auf 100 Millionen DM zu reduzieren.

Mit dem von ihnen initiierten Inkrafttreten des Stiftungsgesetzes wurde eine weitere Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen - insbesondere hinsichtlich der Folgeschäden - gesetzlich ausgeschlossen.

Sowohl der Vergleich als auch die Leistungen der Conterganrentenstiftung (monatliche Höchstrente von 545,- €) berücksichtigen in keinster Weise die schadensbedingte Lebenssituation der Betroffenen - und schon gar nicht deren vorhandene Folgeschäden. Bei den Folgeschäden handelt es sich um zusätzliche - verschleißbedingte - Gesundheitsschäden, die häufig sogar schwerer sind als die Ursprungsschäden selbst.

Indem Grünenthal Schulte-Hillen und spätere Funktionäre des Bundesverbandes auf sich einschwor, sollte auch noch die einzige Interessenvertretung der Contergan-Opfer dazu instrumentalisiert werden, die von ihr zu vertretenden Geschädigten für alle Zeit daran zu hindern, jemals weitere Entschädigungsansprüche oder überhaupt eine gerechtere Entschädigung von der Firma Grünenthal einzufordern.


Was sind und waren die Auswirkungen dieser Allianz für die Contergangeschädigten?

Seit dieser Zeit wird im Bundesverband jedes von den Contergan-Opfern ausgehende, schon nur grünenthal-kritische Engagement unterbunden.

Als zwei Verbände zum 1. Oktober 1987, dem 30. Jahrestag der Markteinführung von Contergan, vor den Türen Grünenthals eine Demonstration und Mahnwache planten, drohte der Bundesverband seinen anderen Mitgliedsverbänden, dass diese in Zukunft keine finanziellen Zuschüsse mehr erhalten würden, wenn sie eine solche Veranstaltung "dulden oder sogar unterstützen". Diese Drohung wurde Grünenthal offiziell vom Bundesverband mitgeteilt. Das Ergebnis dieser Einschüchterung war, daß nur etwa 30 Betroffene an dieser Gedenkveranstaltung teilnahmen.

Nachdem in einer Betroffenen-Zeitung dieses Vorgehen massiv kritisiert wurde, wurden der Zeitung vom Bundesverband die notwendigen Zuschüsse gestrichen.

Auf Seminaren zur Conterganhistorie Ende der 70er Jahre tauchten Wartensleben, Schleifenbaum und Schulte-Hillen gemeinsam als Referenten auf und vermittelten den Geschädigten den Eindruck, als müßten sie ihnen und der Firma Grünenthal für die heutige Entschädigungslösung auch noch dankbar sein.

Herr Wartensleben und Herr Schulte-Hillen wurden auf offiziellen Festlichkeiten des Bundesverbandes geladen und dort den Conterganopfern als Wohltäter mit anderen „verdienten” Persönlichkeiten vorgestellt und entsprechend gefeiert.

Der Vorstand des Bundesverbandes hat sich bislang geweigert, sich von Herrn Schulte-Hillen und anderen Persönlichkeiten, die stets an der oben erwähnten Kumpanei beteiligt und zudem auch noch in Finanzskandale verwickelt waren, verbandsintern und öffentlich zu distanzieren, obwohl dies sogar von einem Landesverband beantragt wurde.

Die Bundesverbandsvorsitzende Margit Hudelmaier wirkte 2003 an einem Symposium mit, dass u.a. von Grünenthal gesponsert wurde, obwohl ihre dortige Mitwirkung bereits vorher mißbilligt wurde.

Der Bundesvorstand empfahl Herrn Schulte-Hillen bis in die jüngste Vergangenheit auch an die Medien weiter, obwohl ihm die obigen Mißstände mehrfach bekannt gemacht wurden.

Nur mit Mühe konnte letztlich auf der Jahreshauptversammlung 2004 des Bundesverbandes verhindert werden, dass der Bundesvorstand für seinen Bundesrechtskongreß im Jahr 2005 die Firma Grünenthal als Sponsor in Anspruch nimmt.

Und bis heute werden im Bundesverband Betroffene abgewiesen, entmutigt, ausgegrenzt, diffamiert und zu Delinquenten gemacht, wenn sie diese Zustände kritisieren oder sich für die Durchsetzung einer besseren Entschädigung engagieren.


Warum muß denn die Ausstrahlung des Filmes von Herrn Schulte-Hillen und der Firma Grünenthal gerade gemeinsam verhindert werden?

Zum Einen liegt es daran, dass sich Herr Schulte-Hillen und die Firma Grünenthal in ihrer jahrzehntelangen Kumpanei so sicher fühlen, dass sie meinen, diese nunmehr für alle sichtbar zur Schau stellen zu können, weil Unverfrorenheit gemeinhin den Blick von Ungeheuerlichkeiten ablenkt.

Zum Anderen muß unbedingt sichergestellt werden, dass die Firma Grünenthal vor einem möglichen Imageschaden und weiteren Entschädigungszahlungen bewahrt wird.

Ein Spielfilm, der die kriminellen Vorgehensweisen Grünenthals in der Conterganhistorie - wenn auch nur dem Drehbuch nach in verharmlosender oder/und in einer der Dramaturgie des Filmes angepassten Weise - wieder spiegelt, könnte die Öffentlichkeit oder sogar die Contergan-Opfer selbst - angesichts der gegenwärtigen, schlimmen Lebenssituation vieler Betroffener - auf den Gedanken bringen, dass die Geschädigten bis heute stets von Grünenthal über den Tisch gezogen wurden und infolgedessen eine gerechtere Entschädigung verlangen sollten.

Grünenthal hätte nämlich den Film höchstwahrscheinlich allein nicht stoppen können.

Allen Beteiligten lag nur das Filmmanuskript und nicht der fertige Film vor. Der fertige Film wurde bekanntlich ausschnittsweise erst in der Gerichtsverhandlung vorgeführt.

Grünenthal mußte demnach vor Veröffentlichung des tatsächlichen Filminhaltes befürchten, dass die der Dramaturgie des Filmes angepassten, unnötigen Tatsachenverdrehungen des Filmmanuskriptes im Drehverlauf möglicherweise heraus genommen oder gemäß den wirklichen Ereignissen ohne Dramaturgieverlust noch verändert werden.

Einzig allein das kaum veränderbare Herzstück des Filmes, eine von dem Drehbuchautor erdachte und tragischerweise an Herrn Schulte-Hillen angelehnte Figur, die angeblich durchweg selbstlos und unbeugsam gegen Grünenthal kämpfte, konnte nur von dem mit den Mitteln des Persönlichkeitsrechts sicher bekämpft werden, dem als wirkliche Person der Heldenmythos der Filmfigur übergestülpt wurde.

Da es Herrn Schulte-Hillen und der Firma Grünenthal ganz offensichtlich auch noch gelungen ist, dem Gericht weiszumachen, der Held des Filmes sei mit Herrn Schulte-Hillen im Wesentlichen identisch, daher nicht genügend verfremdet und folglich sei die Ausstrahlung des Filmes zu verbieten, stellt sich nunmehr die Frage, ob die nächste Instanz die Diskrepanzen zwischen dem hehren Ideal und der traurigen Wirklichkeit ausreichend zu würdigen weis.


Gab es überhaupt unter den Nebenklagevertretern im Conterganstrafprozeß einen beherzten Opferanwalt, der sich als Vater eines Contergankindes bis heute stets selbstlos und unbeugsam für die Rechte der Contergangeschädigten eingesetzt hat?

Eine traurige Tatsache der Historie des Conterganskandals ist, dass gerade ein Außenstehender sich als Anwalt stets so für unsere Rechte eingesetzt hat, wie es ein Vater mit anwaltlichen Mandat eigentlich hätte tun müssen.

Während Schulte-Hillen und mit ihm der Bundesverband in Verrat und Korruption versanken, zahlte der Opferanwalt und Elterntreuhänder Dr. Dr. Rupert Schreiber sämtliche Prozesse aus eigener Tasche, die Grünenthal gegen ihn führte, um mit unseren Vergleichsmillionen ihr Garantieversprechen zum Inkrafttreten des Stiftungsgesetzes (§ 23 !) zu finanzieren (siehe oben).

Zudem zerstörte man die Hochschulkarriere des Privatdozenten Dr. Dr. Schreiber, weil er die Nazivergangenheit eines Strafrechtsprofessors aufdeckte, der Gutachter für Grünenthal im Conterganstrafprozeß war.

Neben schäbigsten Verleumdungen hinsichtlich der angeblichen Motive für sein unermüdliches Engagement und seine unnachgiebige Zivilcourage in unserer Sache mußte er Ehrengerichtsverfahren über sich ergehen lassen, nur weil er uns Opfer in Rundschreiben über die tatsächlichen Vorgänge und deren Drahtzieher aus der Seilschaftsriege der Grünenthal-Handlanger informierte.


Wie sieht es nach alledem mit der Kunstfreiheit aus?

Wäre es dem Drehbuchautor und dem Filmproduzenten mehr um die Wahrheit - wie zuvor angekündigt - und weniger um die Darstellung ihres eigenen, fiktionalen sowie veremotionalisierten Szenarios der historischen Vorgänge gegangen, dann wären sowohl der Kunstfreiheit als auch dem Persönlichkeitsrecht einzelner Beteiligter ein besserer Dienst erwiesen worden.

Dann aber hätten auch andere Protagonisten in dem Film genannt werden müssen.

Die Rolle des Opferanwalts, Dr. Dr. Rupert Schreiber, ist dem Drehbuchautor und dem Filmproduzenten scheinbar nicht quotenträchtig genug gewesen, weil er kein Vater eines contergangeschädigten Kindes war.

Auch hätte Grünenthal heute kein Forum bekommen, die unnötig der Dramaturgie geopferten Tatsachenverdrehungen des Drehbuches gerichtlich anzugreifen, um sich mit noch dreisteren Falschbehauptungen in ihren Pressemitteilungen zu diesem Thema rein zu waschen.

Wir müssen an dieser Stelle jedoch einräumen, dass der WDR und der Filmproduzent wohl unterschätzt haben, wie viel kriminelle Energie von Grünenthal und ihren Handlangern aufgebracht wird, um ein solches Filmprojekt zu unterbinden.

Diese Fehleinschätzung hätte aber vermieden werden können, wenn man zu Beginn des Filmvorhabens diejenigen Betroffenen-Organisationen zu Rate gezogen hätte, die sich seit mehr als 25 Jahren kritisch mit dem Conterganskandal beschäftigen.


Ist der Film noch zu retten?

Obwohl wir den Film nicht gesehen haben und ihm aus den oben genannten Gründen kritisch gegenüber stehen, möchten wir einen Vorschlag machen, gegen den sicherlich auch Herr Schulte-Hillen nichts einzuwenden hat:

Der Filmproduzent möge ganz einfach in einem Vorspann zu dem Film eine oder einen contergangeschädigte(n) Betroffene(n) etwa folgendes Vorwort sprechen lassen:


„Die in diesem Film dargestellte Person des Rechtsanwalts Paul Wegener und ihr Handeln im Contergan-strafprozeß ist fiktiv und frei erfunden. Sämtliche Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und können schon gar nicht gewollt sein.

Denn, wenn es in der gesamten Conterganhistorie einen Vaters eines Contergankindes gegeben hätte, der wie im Film der Rechtsanwalt Paul Wegener sich als unser Opferanwalt mit Mut, Zivilcourage und - vor allem! - bis heute unbeugsam gegen Grünenthal für unsere Rechte eingesetzt hätte, dann wären wir Opfer von der Firma Grünenthal GmbH gerecht abgefunden worden.

Anstatt dessen führten Verrat und Korruption in den Reihen unserer Elternvertretung zum Untergang einer erfolgreichen Durchsetzung unserer Rechte und einer gezielten Lähmung der heutigen Contergan-Opfer.

Wir möchten mit diesem Film alle contergangeschädigten Betroffenen und alle Zuschauer dazu einladen, sich nicht weiter in Duldsamkeit und Selbstzweifeln zu üben, sondern dem Beispiel des Rechtsanwalts Paul Wegener zu folgen und sich überall dort für die eigenen Rechte einzusetzen, wo das Unrecht dies bisher verhindert hat.”



Sofern der fertige Film unseren Vorstellungen entspricht und das Vorgehen der Grünenthalverantwortlichen nicht allzu sehr verharmlost, könnte dem Vorwort noch der folgende Passus angefügt werden:

„Wir widmen unser zukünftiges Engagement in Sachen Contergan und diesen Film denjenigen, die unter größten Opfern und persönlichen Entbehrungen bis heute unsere Sache aufrichtig verfolgten, gegen den Opportunismus anderer verteidigten und damit der Öffentlichkeit ein Beispiel gaben, wie dem Übel in dieser Welt beizukommen ist.”

45 Jahre Marktrücknahme von Contergan und Thalidomid

zugleich ein aufklärender Beitrag
zu einem Teilaspekt der Auseinandersetzung
um den Conterganfilm „Nur eine Tablette”



Pressemitteilung vom 24.11.2006


Am Montag, den 27. November 2006, jährt sich der 45. Jahrestag der Rücknahme von Contergan und anderer thalidomidhaltiger Präparate aus den Handel.

In Ihrer Pressemitteilung zu der Auseinandersetzung um den Conterganfilm „Nur eine Tablette” vom 15.03.2006 behauptet die Conterganherstellerfirma Grünenthal GmbH, sie habe „das Medikament bereits zwölf Tage nach dem ersten Verdachtsmoment aus eigenem Entschluss vom Markt genommen”.

In Ihrer Pressemitteilung vom 28.07.2006 zu derselben Thematik teilt sie mit, sie setze sich für eine „historisch einwandfreie Aufarbeitung der Contergan-Tragödie” ein.

Da wir ebenfalls an einer historisch einwandfreien Aufarbeitung des Contergan-Skandals interessiert sind, möchten wir das obige Datum zum Anlaß nehmen, Ihnen die folgenden Zitatauszüge aus der Anklageschrift der damals für den Conterganstrafprozeß ermittelnden Oberstaatsanwaltschaft des Landgerichts Aachen (Aktz. 4 Js 987/61) vom 10. März 1967 mitzuteilen:

„Auβer Mitteilungen über Nebenwirkungen anderer Art gingen der Chemie Grünenthal vom Jahre 1959 an in ständig zunehmenden Maβe Meldungen über Nervenschäden in Form von Polyneuritiden und Paraesthesien zu. Sie waren nach meist langfristiger Contergan-Medikamentation - die allerdings von dem Unternehmen selbst empfohlen worden war - beobachtet worden. Das Herstellerwerk verstand es, das Bekanntwerden dieser Nebenwirkungen in der Öffentlichkeit zu unterdrücken und auf solche Weise den Umsatz zu steigern. Nachdem trotz dieser Bemühungen im Laufe des Jahres 1961 die schädliche Wirkung des Thalidomid einem gröβeren Kreis der Ärzteschaft bekannt geworden war, bagatellisierte die Chemie Grünenthal diese Wirkungen, so daβ der allgemeine Umfang der Schäden dennoch weithin unbekannt blieb. Obwohl Contergan wegen des Umfangs der Nervenschäden, darüberhinaus aber auch wegen einer Vielzahl von Meldungen über andere Gesundheitsstörungen, die ebenfalls von Ärzten mit Thalidomid in Zusammenhag gebracht wurden, spätestens ab März 1961 schlechthin nicht mehr als zuverlässig anzusehen war, deklarierte das Stolberger Unternehmen das Präparat nach wie vor auch als geeignet zur Einnahme bei Schwangerschaftsbeschwerden. Tatsächlich jedoch besaβ Contergan starke fruchtschädigende Eigenschaften. Tausende Kinder, deren Mütter während der Frühschwangerschaft das Präparat eingenommen hatten, kamen deswegen mit schwersten Miβbildungen zur Welt. Viele, nämlich die wegen ihrer Miβbildungen lebensunfähigen Kinder, sind zwischenzeitlich verstorben. Die durch Thalidomid verursachten Schäden hätten gröβtenteils vermieden werden können, wenn die Angeschuldigten die durch Prüfungen nicht gedeckte Propagierung unterlassen, wenn sie die aus der späteren Unzuverlässigkeit des Präparates sich ergebenden notwendigen Konsequenzen gezogen und schlieβlich die auch insoweit warnenden Stimmen von dritter Seite beachtet hätten.
.....
Ab Frühjahr/Sommer 1961 betrieben alle Angeschuldigten den Verkauf des Thalidomid sogar mit dem Bewuβtsein, daβ es dadurch zu weiteren Schädigungen des Nervensystems bei weiteren Verbrauchern kommen werde. Aus Prestige-Gründen und um die Firma vor gröβeren finanziellen Rückschlägen zu bewahren, die jede einschneidende Maβnahme hinsichtlich ihres wirtschaftlich erfolgreichsten Präparates gehabt hätte, lieβen sie es dabei bewenden, aufgrund verschiedener Bemühungen Klarheit darüber zu gewinnen, wieso Contergan Schäden hervorrufe. Indem sie sich mit der Hoffnung begnügten, nach - zeitlich nicht absehbarer - Klärung unvertretbare Nebenwirkungen ausschalten zu können, fanden sie sich damit ab, die unerwünschten Schädigungen und Gefahren bis dahin nicht vermeiden zu können.

Weder die Warnungen anerkannter Wissenschaftler und Chefs bedeutender Kliniken wegen der von diesen diagnostizierten Nebenwirkungen noch die bei der Chemie Grünenthal immer offenkundiger gewordene Tatsache der Unüberschaubarkeit der mit der Einnahme von Contergan verbundenen Gefahren noch der im November 1961 in Stolberg bekanntgewordene begründete Verdacht eines deutschen und eines australischen Oberarztes, die - unabhängig voneinander - Thalidomid mit schweren Miβbildungen Neugeborener in Zusammenhang brachten, bewogen die Angeschuldigten zu einer Rücknahme der Substanz aus dem Handel. Hierzu sahen sie sich erst veranlaβt, nachdem durch einen Zeitungsartikel vom 25. November 1961 einer breiteren Öffentlichkeit die schwerwiegenden Beschuldigungen bekannt geworden und dadurch nicht mehr zu verheimlichen waren.”
(Auszüge aus der "Zusammenfassenden Darstellung" des Sachverhalts; Seiten 10 - 12 der Anklageschrift; Weglassungen durch uns)

Und noch ein kurzer Blick auf die Ereignisse vor dem 27. November 1961:

„Die sich über den ganzen Tag hinziehenden Verhandlungen wurden mit auβerordentlicher Verbissenheit geführt. Sie zeichneten sich insbesondere dadurch aus, daβ seitens des Innenministeriums mit Nachdruck die Rücknahme von Contergan aus dem Handel gefordert wurde, daβ die Chemie Grünenthal ein derartiges Vorgehen ablehnte und - für den Fall eines Verbotes - mit Schadensersatzansprüchen drohte. Mehrmalige telefonische Rückfragen Dr. von Veltheims und Dr. Dr. Schrader-Beielsteins in Stolberg (mit Wirtz, Dr. Mückter, Chauvistré und einem beauftregten Rechtsanwalt) ergaben lediglich die Bereitschaft des Unternehmens, Contergan-Packungen ab sofort mit einem besonderen Klebezettel zu versehen: ‚An Schwangere nicht zu verabreichen.’ Obwohl Ministerialdirigent Dr. Studt darauf hinwies, eine derartige Warnung reiche nicht aus, zeigte sich die Chemie Grünenthal zu keinem weiteren Entgegenkommen bereit. Dr. Dr. von Schrader-Beielstein und Dr. von Veltheim erklärten abschlieβend, ‚der Verkauf nach dem Wochenende’ werde praktisch nur mit geänderter Packung erfolgen.” (Ausschnitt aus den Seiten 414 - 415 der Anklageschrift; Dr. med. Heinrich Mückter = wissenschaftlicher Direktor, Jacob Chauvistré = Geschäftsführer, Dr. rer. nat. und Dr. med. Hans Werner von Schrader-Beielstein = Prokurist, Dr. von Veltheim = Rechtsanwalt; alle von Grünenthal)

Am 26. November 1961 erschien in der Welt am Sonntag ein Artikel unter dem Titel „Miβgeburten durch Tabletten? - Alarmierender Verdacht eines Arztes gegen ein weitverbreitetes Medikament” (verfasst am 25. November 1961).

Erst nach Veröffentlichung dieses Artikels erklärte Grünenthal sich dazu bereit, Contergan am 27. November 1961 aus dem Handel zu ziehen. Zu der Zurücknahme der anderen thalidomidhaltigen Präparate bedurfte es noch „einer entsprechenden Aufforderung durch das Innenministerium NRW”.

Dennoch schrieb Grünenthal am 27. November 1961 an die "Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft":

„Wir haben uns ‚entschlossen, das Präparat Contergan sofort aus dem Handel zu ziehen, weil durch die Pressemitteilungen die Basis der wissenschaftlichen Diskussion verlassen wurde. ...’” (Seite 417 der Anklageschrift)


Für Rückfragen und Interviews stehen wir Ihnen gerne ab Sonntag, den 26. November 2006, ab 15 Uhr unter der Rufnummer 0221 / 9505100 zur Verfügung.

Zudem möchten wir ankündigen, dass wir im Laufe der Woche noch eine sehr ausführliche Pressemitteilung u.a. zu der Rolle von Herrn Schulte-Hillen in der Auseinandersetzung um den Conterganfilm „Nur eine Tablette” veröffentlichen werden.

40 Jahre Bundesverband Contergangeschädigter e.V.
40 Jahre Korruption



Pressemitteilung vom 14.03.2003


Vor 40 Jahren wurde am 16. März 1963 der Bundesverband Contergangeschädigter e.V.(früher „Bundesverband der Eltern körpergeschädigter Kinder e.V.“ nachfolgend „Bundesverband“ genannt) gegründet.

Wir möchten die hierzu vom Bundesverband am 15. März 2003 um 18 Uhr in „Schmieder´s Gasthaus im Museum“, Germarkenstraße 139, 51069 Köln-Dellbrück, geplante Feierlichkeit zum Anlaß nehmen, einmal mehr an das nachhaltig eindrucksvolle Wirken dieses Verbandes, insbesondere seiner Vorstandspersönlichkeiten und seiner sonstigen Verantwortlichen, zu erinnern.

Da die Korruption in den letzten 40 Jahren seines Bestehens immer wieder ein Grundwesenszug dieses Verbandes gewesen war, sind wir jedoch wegen der Fülle des Materials dazu gezwungen, uns auf einige wenige Schlaglichter zu beschränken.

Kaufmann Helmut Hering

Vater eines Contergan-Kindes, wurde 1967 Vorsitzender des Bundesverbandes. Gründete während seiner Amtszeit die mit dem Bundesverband konkurrierende Rautenberg-Stiftung, in deren Kurhaus sich contergangeschädigte und andere körperbehinderte Kinder erholen sollten. Wollte sich dort einen lebenslänglichen Posten als Kurdirektor einsetzen lassen (Artikel im Spiegel Nr. 17 / 1969). Verschaffte sich Vermögensvorteile durch die zusätzliche Gründung des „Webeg“-Verlages (vom englischen „we beg“ = wir bitten). Der Verlag vertrieb über Schülermitverwaltungen und Betriebsräte sogenannte „Kinderzoo“-Malbücher und Postkartenserien und appellierte an die Hilfsbereitschaft der Käufer: „Den Erlös dieser Aktion stellt der Webeg-Verlag behinderten Kindern zur Verfügung.“ Tatsächlich kamen nur jeweils eine Mark vom Verkauferlös der 3,90 DM für das jeweilige Malbuch und der 2,40 DM für die Postkartenserie dem gemeinnützigen Zweck zugute (Artikel im Spiegel Nr. 17 / 1969). Er wurde nicht mehr wieder gewählt.

Rechtsanwalt und Notar Karl-Hermann Schulte-Hillen

Vater eines Contergan-Kindes, Nebenklägervertreter im Alsdorfer Contergan-Strafprozeß und von 1963 bis 1967 Vorsitzender des Bundesverbandes. Sein Hauptverdienst ist es, den Bundesverband mitbegründet zu haben. Später brachte er sich in Mißkredit, weil er den Eltern im Strafprozess versprochen hatte, die Kosten für seine Nebenklagevertretung würden nicht mehr als 20,- DM pro Elternpaar betragen, dann aber Zahlungen von 300,- DM und 500,- für vergangene und zukünftige Leistungen verlangte (Artikel im Spiegel Nr. 17 / 1969). Während seiner Amtszeit im Bundesvorstand verschwand seinerzeit ein Spendenbetrag in Höhe von knapp 100.000,- DM, über dessen Verbleib er keine Rechenschaft ablegen konnte (Artikel im Spiegel Nr. 17 / 1969), weswegen er nicht mehr wiedergewählt wurde. Als Duzfreund des Syndikus der Conterganherstellerfirma Grünenthal, Herbert Wartensleben, korrumpierte er, mit diesem zusammen um 1972 im Hintergrund agierend, die Interessenvertretung der Conterganopfer zugunsten Grünenthals nachhaltig mit der Folge, daß diese ihre Schadensersatzgelder in Höhe von 100 Millionen DM in eine Stiftung einbringen mußten, die ihnen heute eine nach unten gestaffelte Höchstrente von 545,- € ausschüttet und ihnen aufgrund einer Bestimmung in dem dafür erlassenen Stiftungsgesetz verbietet, Regreßansprüche wegen ihrer Folgeschäden gegenüber Grünenthal geltend zu machen

Kaufmann Hans-Helmut Schleifenbaum

Vater eines Contergan-Kindes, wurde am 22.4.1972 zum 1. Vorsitzenden des Bundesverbandes gewählt. War ebenfalls Duzfreund von Wartensleben und wirkte in seiner Eigenschaft als Verbandsvorsitzender mit seinem Intimus Schulte-Hillen aktiv und offen an der oben erwähnten Entrechtung der Conterganopfer zugunsten Grünenthals mit. Von ihm wurden die Eltern in Rundschreiben über den Stand der damals mit der Bundesregierung geführten Stiftungsverhandlungen systematisch falsch informiert, um sie zugunsten Grünenthals zu einer Zustimmung zur Stiftungslösung zu bewegen. Seine Kumpanei mit Grünenthals ging so weit, daß er in einem dieser Rundschreiben ein Formular beilegte, mit denen die Eltern dem Elternanwalt, Dr. Dr. Rupert Schreiber, sein Mandat entziehen und dieses auf zwei Grünenthalanwälte übertragen sollten. Auch ließ er sich in einem Privatklageverfahren gegen den Elternanwalt von einem Grünenthalanwalt vertreten. Nach dem Inkrafttreten des Stiftungsgesetzes am 31.10.1972 sorgte er dafür, daß Wartensleben und Schulte-Hillen je einen Vorsitzposten in einer der Stiftungskommissionen erhielten.

Als der Orstverband Köln ab dem Jahre 1987 sein Geschäftsgebaren und das seiner Geschäftsführerin Hilke Blum kritisierte (wird unten skizziert), schloß Schleifenbaum diesen Verbandes gleich zweimal aus dem Bundesverband aus. Nachdem die Kölner in zwei Gerichtsverfahren gegen die Ausschlüsse obsiegten (Aktz.: 2 0 394/89; 2 0 174/90; 12 U 49/91.), trat Schleifenbaum am 30.6.1991 von seinem Vorsitz zurück. Zum Abschied ließ er sich vom Bundesverband eine Feier ausrichten, die zu diesem Zweck fälschlich als Feier zum 30-jährigen Bestehen des Bundesverbandes deklarierte wurde. Zu dieser Feier waren auch Schulte-Hillen und Wartensleben geladen.

Nachdem Schleifenbaum am 8.5.1992 eine Widerrufsklage gegen einen Geschädigten verlor (Aktz. 30 0 222/91), der ihm und anderen Korruption vorwarf, wurde er auf den regulären Verbandssitzungen nicht mehr gesehen.

Immobilienmaklerin Hilke Blum

Langjährige Geschäftsführerin des Bundesverbandes, zudem zweifache Hoteldirektorin, Immobilienmaklerin. Während ihrer Amtszeit bot sie dem Bundesverband auf einer Bundesvorstandsratssitzung am 18.2.1989 als geschäftsführende Gesellschafterin der Immobilienmaklerfirma „Blum & Partner Immobilien GmbH“ in Köln das Kaufobjekt „Anwesen Paffrather Str. 132 - 134, 5000 Köln 80 (Dellbrück)“ an, das heute dem Verband als Geschätsstelle und Begegnungszentrum dient. Neben anderen gezielt abgegebenen Falschinformationen stellten sie und Schleifenbaum das Haus als Schnäppchen dar, indem sie den Wert weit höher angaben, als er tatsächlich war. Frau Blum ließ sich mit Zustimmung Schleifenbaums nach Abwicklung des Kaufes bei einem von ihr angegebenen Kaufpreis von 1.550.000,- DM vom Bundesverband eine Courtage in Höhe von 46.500,- DM auszahlen. Eine Courtage in gleicher Höhe wurde ihr vom Verkäufer bezahlt. Da das Haus u.a. absolut nicht behindertengerecht war (hohe Eingangstreppen, schlechte Parkbedingungen usw.), brachen die danach notwendigen Umbau-, Renovierungs- und Einrichtungskosten in Höhe von 272.680,97 DM dem Bundesverband so sehr finanziell das Genick, daß er bis heute keine Zuschüsse mehr an seine Mitgliedsverbände auszählen konnte. Blum und Schleifenbaum verstießen bei der „Bewältigung“ dieses Problemkreises gegen diverse Beschlüsse (z.B. öffentliche Zuschüsse einzuholen und die ständige Rücklage in Höhe von 400.000,- DM nicht anzutasten) und mußten alsbald von ihren Ämtern als Geschäftsführerin und 1. Vorsitzender zurücktreten.

Der Kölner Ortverband kritisierte zudem, daß in den Jahren 1986 - 1988 im Durchschnitt jährlich ca. 150.000,- DM an Verwaltungskosten und Gehälter für die ehemalige Geschäftsführerin Hilke Blum und eine halbtags beschäftigte Bürohilfe ausgegeben wurden, ohne daß in den jeweiligen Geschäftsberichten hierfür eine Tätigkeit verzeichnet wurde. Sie kritisierten ferner, daß Frau Blum ein Großteil der Personalkosten in Höhe von jährlich ca. 70.000,- DM in Form eines Angestelltenmonatsgehalts von 3000,- DM brutto mit sämtlichen Sozialabgaben gezahlt wurde, obwohl diese gleichzeitig hauptberuflich Geschäftsführerin einer Immobilienfirma, Vermögensverwalterin und zweifache Hoteldirektorin war. Blum und Schleifenbaum haben sich bis zum Ende ihrer Amtszeit geweigert, den Mitgliedsverbänden Blums Arbeitsvertrag und die von Blum quartalsweise abzufassenden Arbeitsberichte der letzten Jahre ihrer Beschäftigung vorzulegen. Gerade wegen der somit nicht erkennbaren Tätigkeiten Blums fiel besonders ins Auge, daß ein großer Posten der jährlich angefallenen Verwaltungsausgaben in Höhe von ca. 70.000,- DM ihrem Immobilienmaklerbüro erstattet wurden. Bis zum Einzug in das vermakelte Haus waren die Räume von Blums Immobilienmaklerbüro die Geschäftsstelle des Bundesverbandes. Augenfällig war auch noch, daß der angeblich "unabhängige" und langjährige Wirtschaftsprüfer des Bundesverbandes, der Diplom-Kaufmann und Steuerberater Kurt Stahlhacke, und seine Ehefrau Marianne zusammen Frau Blum, und ihrem Ehemann, dem damaligen Richter am Amtsgericht Wolfgang Blum, Eigentümer des Hotels "Uhu" in der Dellbrücker Hauptstrasse in Köln gewesen ist, dessen Direktorin ebenfalls den Namen Hilke Blum trägt. Der Wirtschaftsprüfer wurde nach Bekanntwerden dieser Tatsachen nicht mehr beauftragt.

Als Frau Blum ein Gerichtsverfahren gegen einen Journalisten verlor (Aktz. 28 0 219/89), dass sie als Privatperson und Immobilienmaklerfirma gegen ihn angestrengt hatte, weil dieser über die oben genannten Vorkommnisse berichtete, ließ sie sich die Prozeßkosten in Höhe von 25.519,97 DM vom Bundesverband erstatten. Auch hierbei bedienten sich Schleifenbaum und Blum eines Täuschungsmanövers.

1. Vorsitzende Margit Hudelmaier und ihre Stellvertreter Michael Ashcroft, Jörg Kreuzinger

Alle selbst Contergan-Opfer und derzeit amtierend. Haben teilweise von den Ereignissen um den Finanzskandal Blum und Schleifenbaum gewußt, sie geduldet, sie bewusst geförderten oder geflissentlich die Augen davor verschlossen und warnende Stimmen ignoriert. Auch weigern sie sich heute, sich von Schleifenbaum, Blum und Schulte-Hillen zu distanzieren, obwohl ihnen die Tatsachen nunmehr hinlänglich bekannt sind. Sie haben Schleifenbaum, Blum und Schulte-Hillen auch zu den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Jubiläum des Bundesverbandes eingeladen und luden sie auch zu anderen offiziellen Feierlichkeiten des Verbandes als Ehrengäste ein. Einen hiergegen gerichteten Antrag des Landesverbandes NRW haben sie bis heute verschleppt und wollen sich diesem auch in Zukunft widersetzen.

40 Jahre Rücknahme von Contergan aus den Handel


Presseerklärung vom 23.11.2001


Sehr geehrte Damen und Herren,

am Dienstag, den 27. November 2001, jährt sich der 40. Jahrestag der Rücknahme von Contergan und anderer thalidomidhaltiger Präparate aus den Handel. Wir wollen dieses Datum zum Anlaß nehmen, einmal mehr das rücksichtslose Vorgehen der Herstellerfirma Grünenthal GmbH in Stolberg bei Aachen zu dokumentieren. Allen Falschmeldungen über die damaligen Ereignisse zum Trotz wollen wir einfach einige Auszüge aus der Anklageschrift der Oberstaatsanwaltschaft des Landgerichts Aachen (Aktz. 4 Js 987/61) vom 10. März 1967 sprechen lassen:

»1955 bis 1957 wurde - unter Leitung des Angeschuldigten Dr. Mückter - bei der Firma Chemie Grünenthal GmbH. in Stolberg N-Phthalyglutaminsäure-imid entwickelt. Diese neue Substanz erhielt die Bezeichnung Thalidomid und bildete die Grundlage des ab 1. Oktober 1957 in den Handel gebrachten Schlaf- und Beruhigungsmittels Contergan. Sie wurde ferner den Präparaten Grippex und Algosediv beigefügt. Im Ausland erfolgte der Verkauf entweder im Rahmen des Exportgeschäfts oder aufgrund von Lizenzen, die das Stolberger Werk an ausländische Firmen vergab.

Die Chemie Grünenthal deklarierte thalidomidhaltige Präparate als allgemein ungefährlich und zwar auch für die Gynäkologie, ohne die Einnahme während der Schwangerschaft auszuschlieβen. Verschiedentlich wurde die Gravidität in Werbeaussagen über die "besonders gute Verträglichkeit" sogar ausdrücklich erwähnt. Eine Prüfung, ob Thalidomid die Schwangere oder die Leibesfrucht beeinträchtigen könne, war weder vor der Ausbietung erfolgt, noch wurde sie während der Jahre des Vertriebs durchgeführt.

Infolge seiner günstigen schlafmachenden Wirkung erwies sich Contergan in verhältnismäβig kurzer Zeit als äuβerst erfolgreiches Präparat. Dementsprechend nahm die Umsatzkurve einen steilen Anstieg. Contergan überflügelte schlieβlich alle bis dahin gängigen Schlaf- und Beruhigungsmittel.

Auβer Mitteilungen über Nebenwirkungen anderer Art gingen der Chemie Grünenthal vom Jahre 1959 an in ständig zunehmenden Maβe Meldungen über Nervenschäden in Form von Polyneuritiden und Paraesthesien zu. Sie waren nach meist langfristiger Contergan-Medikamentation - die allerdings von dem Unternehmen selbst empfohlen worden war - beobachtet worden. Das Herstellerwerk verstand es, das Bekanntwerden dieser Nebenwirkungen in der Öffentlichkeit zu unterdrücken und auf solche Weise den Umsatz zu steigern. Nachdem trotz dieser Bemühungen im Laufe des Jahres 1961 die schädliche Wirkung des Thalidomid einem gröβeren Kreis der Ärzteschaft bekannt geworden war, bagatellisierte die Chemie Grünenthal diese Wirkungen, so daβ der allgemeine Umfang der Schäden dennoch weithin unbekannt blieb. Obwohl Contergan wegen des Umfangs der Nervenschäden, darüberhinaus aber auch wegen einer Vielzahl von Meldungen über andere Gesundheitsstörungen, die ebenfalls von Ärzten mit Thalidomid in Zusammenhag gebracht wurden, spätestens ab März 1961 schlechthin nicht mehr als zuverlässig anzusehen war, deklarierte das Stolberger Unternehmen das Präparat nach wie vor auch als geeignet zur Einnahme bei Schwangerschaftsbeschwerden. Tatsächlich jedoch besaβ Contergan starke fruchtschädigende Eigenschaften. Tausende Kinder, deren Mütter während der Frühschwangerschaft das Präparat eingenommen hatten, kamen deswegen mit schwersten Miβbildungen zur Welt. Viele, nämlich die wegen ihrer Miβbildungen lebensunfähigen Kinder, sind zwischenzeitlich verstorben. Die durch Thalidomid verursachten Schäden hätten gröβtenteils vermieden werden können, wenn die Angeschuldigten die durch Prüfungen nicht gedeckte Propagierung unterlassen, wenn sie die aus der späteren Unzuverlässigkeit des Präparates sich ergebenden notwendigen Konsequenzen gezogen und schlieβlich die auch insoweit warnenden Stimmen von dritter Seite beachtet hätten.

Die durch thalidomidhaltige Präparate verursachten, teils irreversiblen Nervenschäden standen in keinem vertretbaren Verhältnis zum Wert der Substanz. Daβ das in viel stärkerem Maβe für die Fruchtschäden gilt, bedarf keiner näheren Begründung.

Daβ Thalidomid unvertretbare Nerven- sowie möglicherweise auch noch andere Schädigungen verursachen würde, hätten die Angeschuldigten bei Anwendung der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt voraussehen können, wenn auch aufgrund ihrer unterschiedlichen Vorbildung und ihres jeweiligen speziellen Wissens um die konkreten Geschehnisse von verschiedenen Zeitpunkten ab. Für niemanden von ihnen hat - ebenfall unter Berücksichtigung der damaligen konkreten Gegebenheiten - eine eventuelle Schädigungen Schwangerer und eine damit verbundene negative Beeinflussung der Embryonalentwicklung auβerhalb vernünftiger und zumutbarer Überlegungen gelegen.

Ab Frühjahr/Sommer 1961 betrieben alle Angeschuldigten den Verkauf des Thalidomid sogar mit dem Bewuβtsein, daβ es dadurch zu weiteren Schädigungen des Nervensystems bei weiteren Verbrauchern kommen werde. Aus Prestige-Gründen und um die Firma vor gröβeren finanziellen Rückschlägen zu bewahren, die jede einschneidende Maβnahme hinsichtlich ihres wirtschaftlich erfolgreichsten Präparates gehabt hätte, lieβen sie es dabei bewenden, aufgrund verschiedener Bemühungen Klarheit darüber zu gewinnen, wieso Contergan Schäden hervorrufe. Indem sie sich mit der Hoffnung begnügten, nach - zeitlich nicht absehbarer - Klärung unvertretbare Nebenwirkungen ausschalten zu können, fanden sie sich damit ab, die unerwünschten Schädigungen und Gefahren bis dahin nicht vermeiden zu können.

Weder die Warnungen anerkannter Wissenschaftler und Chefs bedeutender Kliniken wegen der von diesen diagnostizierten Nebenwirkungen noch die bei der Chemie Grünenthal immer offenkundiger gewordene Tatsache der Unüberschaubarkeit der mit der Einnahme von Contergan verbundenen Gefahren noch der im November 1961 in Stolberg bekanntgewordene begründete Verdacht eines deutschen und eines australischen Oberarztes, die - unabhängig voneinander - Thalidomid mit schweren Miβbildungen Neugeborener in Zusammenhang brachten, bewogen die Angeschuldigten zu einer Rücknahme der Substanz aus dem Handel. Hierzu sahen sie sich erst veranlaβt, nachdem durch einen Zeitungsartikel vom 25. November 1961 einer breiteren Öffentlichkeit die schwerwiegenden Beschuldigungen bekannt geworden und dadurch nicht mehr zu verheimlichen waren.«
("Zusammenfassenden Darstellung" des Sachverhalts; S. 10 - 12 der Anklageschrift, Unterstreichungen u. Ergänzungen durch Verfasser dieses Schriftsatzes)

Und noch ein kurzer Blick auf die Ereignisse um den 27.November 1961:

Am 24. November 1961 fand im Innenministerium des Landes NRW in Düsseldorf eine weitere von vielen Besprechungen statt. Die Grünenthalvertreter widersetzten sich trotz mehrfacher Aufforderung durch die anwesenden Ministerialbeamten auch hier, Contergan unverzüglich aus dem Handel zu ziehen:

»Ministerialrat Dr. Karl wies die anwesenden Grünenthal-Vertreter mit Nachdruck auf die Schwere und Tragweite des von Dr. Lenz geäuβerten Verdachts hin. Auch er versuchte, sie zu einer unverzüglichen Rücknahme des Contergan aus dem Handel zu bewegen. Der Angeschuldigte Dr. Dr. von Schrader-Beielstein lehnte das nach wie vor ab.« (Seite 414 der Anklageschrift; Dr. Lenz stellte den Zusammenhang zwischen der Einnahme thalidomidhaltiger Präparate und den Mißbildungen her)

Und weiter wird berichtet:

»Die sich über den ganzen Tag hinziehenden Verhandlungen wurden mit auβerordentlicher Verbissenheit geführt. Sie zeichneten sich insbesondere dadurch aus, daβ seitens des Innenministeriums mit Nachdruck die Rücknahme von Contergan aus dem Handel gefordert wurde, daβ die Chemie Grünenthal ein derartiges Vorgehen ablehnte und - für den Fall eines Verbotes - mit Schadensersatzansprüchen drohte. Mehrmalige telefonische Rückfragen Dr. von Veltheims und Dr. Dr. Schrader-Beielsteins in Stolberg (mit Wirtz, Dr. Mückter, Chauvistré und einem beauftregten Rechtsanwalt) ergaben lediglich die Bereitschaft des Unternehmens, Contergan-Packungen ab sofort mit einem besonderen Klebezettel zu versehen: "An Schwangere nicht zu verabreichen." Obwohl Ministerialdirigent Dr. Studt darauf hinwies, eine derartige Warnung reiche nicht aus, zeigte sich die Chemie Grünenthal zu keinem weiteren Entgegenkommen bereit. Dr.Dr. von Schrader-Beielstein und Dr. von Veltheim erklärten abschlieβend, "der Verkauf nach dem Wochenende" werde praktisch nur mit geänderter Packung erfolgen.« (Seiten 414 - 415 der Anklageschrift; Dr. von Veltheim = ein Rechtsanwalt von Grünenthal)

Sämtlichen weiteren Maβnahmen und Verzögerungsversuchen Grünenthals wurden jedoch durch den Artikel in der Zeitung "Welt am Sonntag" vom 26. November 1961 unter dem Titel "Miβgeburten durch Tabletten? - Alarmierender Verdacht eines Arztes gegen ein weitverbreitetes Medikament" ein Ende gesetzt. Erst nach Veröffentlichung dieses Artikels erklärte Grünenthal sich dazu bereit, Contergan am 27. November 1961 aus dem Handel zu ziehen. Zu der Zurücknahme der anderen thalidomidhaltigen Präparate bedurfte es noch "einer entsprechenden Aufforderung durch das Innenministerium NRW". Dennoch schrieb Grünenthal am 27. November 1961 an die "Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft":

»Wir haben uns "entschlossen, das Präparat Contergan sofort aus dem Handel zu ziehen, weil durch die Pressemitteilungen die Basis der wissenschaftlichen Diskussion verlassen wurde. ..."« (Seite 417 der Anklageschrift)

Durch ihr rücksichtsloses Vorgehen verursachte Grünenthal vorgeburtliche Fehlbildungen bei weltweit etwa 8000 - 12000 Kindern, die so schwer waren, daß ein Großteil von ihnen ihre Körper-und Gesundheitsschäden nicht überlebten. Gleichzeitig erlitten tausende Verbraucher irreparable Nervenschäden.

Zur Zeit wird der Wirkstoff Thalidomid in 47 Ländern der Erde vertrieben. In Brasilien wird er insbesondere zur Dämpfung von Nebenwirkungen bei der Leprabehandlung eingesetzt - mit der Folge, daß seit den 70er Jahren zahlreiche geschädigte Kinder lebend oder tot geboren wurden und werden. Nach einer Nachrichtenmeldung vom 23.9.1997 um 12 Uhr im WDR 2 ist der Wirkstoff Thalidomid in den USA wieder auf dem Markt erhältlich. In verschiedenen europäischen Staaten wird er als "Wundermittel" z.B. bei Folgeerkrankungen von AIDS, bei Krebs und Multiples Sklerose erprobt.

Auch wenn Thalidomid in Einzelfällen angeblich anschlägt und den betroffenen Patienten Linderung verschaffen soll, haben wir den Verdacht, daß es gegenwärtig mehr darum geht, eine allgemeine Akzeptanz für die offizielle Wiedereinführung von dem angeblichen “Wundermittel” Thalidomid zu schaffen. Das Wunderbare an diesem "Wundermittel" ist nämlich sein niedriger Herstellungspreis.

Nach wie vor bestehen wir auf unser Recht, von Grünenthal gerecht entschädigt zu werden. Auch wenn die deutsche Justiz in ihren demütigenden Conterganurteilen uns dieses Recht stets absprach, bleibt dieses Recht bestehen. Daher wenden wir uns an die Öffentlichkeit. Das öffentliche Gewissen ist besser als das der Justiz. Auch appellieren wir nicht an das moralische und ethische Gewissen der Grünenthaleigentümer. Ihr Verhalten uns gegenüber war bisher gewissenlos. Es wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

Wir fordern:

- Die Firma Chemie Grünenthal führt eine weltweite Informationskampagne mit dem Ziel durch, in den Entwicklungsländern über die Gefahren bei der Einnahme von Thalidomid aufzuklären und dem Mißbrauch vorzubeugen.

- Die generelle Wiedereinführung von Thalidomid in den Handel muß solange verhindern werden, bis der Nachweis einer positiven Wirkung bei bestimmten Indikationen erbracht wurde und eine Nutzen-Risiko-Abwägung im Vergleich mit anderen, insbesondere auch teureren Medikamenten einen eindeutigen Vorteil für Thalidomid ergibt. Bei einer erneuten Markteinführung von Thalidomid sind die dabei erzielten Gewinne von der jeweiligen Vertriebsfirma in dem Vertriebsland als Entschädigungsleistungen an die Thalidomidopfer abzuführen.

- Die Abgabe bzw. Einnahme in Einzelfällen erfolgt ähnlich wie bei den Methadon-Programmen nur unter ärztlicher Aufsicht.

- Die Firma Chemie Grünenthal bekennt sich zu ihrer Verantwortung und kommt für sämtliche Gesundheits- und Folgeschäden der Geschädigten in den Ländern auf, in denen sie Thalidomid selbst eingeführt, vertrieben, die Einführung mitinitiiert oder dessen Marktentnahme verhindert oder verzögert hat.

‒ Der Bundesverband Contergangeschädigter e.V. distanziert sich öffentlich von einigen seiner ehemaligen Funktionäre, die die Interessen der Contergangeschädigten zugunsten Grünenthals korrumpiert und verraten haben. Daß er in Zukunft die Interessen der Contergangeschädigten gegenüber Grünenthal vertritt, kann bei seinem bisherigen engen Zusammenspiel mit Grünenthal nicht erwartet werden.

40 Jahre Contergan aus dem Handel und immer noch vertritt der
Bundesverband Contergangeschädigter e.V. die Interessen Grünenthals


Presseerklärung vom 05.10.2001


Sperrfrist: 5.10.2001; 13 Uhr.


Sehr geehrte Damen und Herren,

zum 5.10.2001 lädt der Bundesverband Contergangeschädigter e.V. (früher: Bundesverband der Eltern körpergeschädigter Kinder e.V.) ab 13 Uhr im Rahmen der REHACare 2001 im Congress Center Düsseldorf (CCD), in Raum „Rot“ im Eingangsbereich der Halle 8 zu einer Podiumsveranstaltung ein.

Wir möchten hierzu wie folgt Stellung nehmen:

Der Auftritt des Bundesverbandes Contergangeschädigter e.V auf der diesjährigen REHA-Messe anläßlich des 40. Jahrestages der Marktentnahme von Contergan ist eine Verhöhnung der Interessen sämtlicher Conterganopfer.

Durch Parteinahme zugunsten Grünenthals erwirkte dieser Verband vor etwa 30 Jahren eine Entschädigungslösung, die Schadensersatzforderungen der Conterganopfer wegen ihrer Folgeschäden heute unmöglich macht.

Seit dieser Zeit vertrat dieser Verband immer wieder die Interessen der Firma Grünenthal.

Seit dieser Zeit wurden die Conterganopfer von diesem Verband über die wahren Hintergründe ihrer Entschädigung systematisch belogen und irregeführt.

Seit dieser Zeit wurde jedes Engagement von Conterganopfern gegen Grünenthal von diesem Verband unterbunden.

Bis heute werden ehemalige Vorstandsmitglieder oder Geschäftsführer, die unsere Interessen zugunsten Grünenthals verraten haben oder in Finanzskandale verwickelt waren, als ehrenwürdige Persönlichkeiten geladen und gefeiert.

Das Zusammenspiel mit Grünenthal wurde immer wieder dreist zur Schau getragen.

Wir nennen nur ein Beispiel:

Man lud auch den Ex-Syndikus der Firma Grünenthal zu solchen Jubelfeiern ein.

Dieser Verband und sein amtierender Vorstand hat nur seine Berechtigung, weil die Mehrzahl der Conterganopfer von diesem Verrat und den bis heute nachwirkenden Finanzskandalen nichts wissen.

Zweck dieses Verbandes ist nicht die Vertretung der Interessen der Conterganopfer.

Zweck dieses Verbandes war und ist die unverhohlene Verhinderung einer gerechten Entschädigung der Conterganopfer.



Falls Sie nähere Informationen benötigen, können wir Ihnen ein etwa 6-seitiges Fax zukommen lassen.


(Bei dem 6-seitigen Fax handelt es sich um eine Darstellung der Bundesverbandskandale, wie sie in der Pressemitteilung der Föderation vom 14.03.2003 oben kurz zusammen gefasst wurden.)

30 Jahre Beginn der Hauptverhandlung im Conterganstrafprozeß


Pressemitteilung vom 25.05.1998


Sehr geehrte Damen und Herren,

vor 30 Jahren, am 27. Mai 1968, begann die Hauptverhandlung im Conterganstrafprozeß.

Dieses Datum möchten wir gerne zum Anlaß nehmen, am Beispiel des Conterganherstellerfirma Grünenthal GmbH/Rhld. einmal mehr zu dokumentieren, mit welcher krimineller Energie und unverhohlen dreist ein pharmazeutisches Schädigerunternehmen hierzulande gegen die Interessenlage seiner Opfer vorgehen kann, um eine straf- und zivilrechtliche Verfolgung zu vereiteln:

Die Firma Grünenthal GmbH brachte am 1. Oktober 1957 das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan mit den Wirkstoff Thalidomid in den Handel. Grünenthal verkaufte Contergan, ohne es ordnungsgemäß geprüft zu haben, und behauptete, es sei vollkommen ungefährlich, ohne dabei die Einnahme während der Schwangerschaft auszuschließen. Grünenthal hatte Contergan weiter verkauft, als tausende Meldungen bei ihr eingingen, die über Gesundheitsschäden durch dessen Einnahme berichteten. Sie verkaufte Contergan selbst dann noch weiter, als ihr gleichzeitig von einem deutschen und einem australischen Arzt berichtet wurde, daß Contergan - eingenommen von Frauen in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft - schwerste Mißbildungen bei ungeborenen Kindern verursachen würde. Einer Beantragung der Rezeptpflicht für Contergan hat sie sich ebenso stets widersetzt wie der von vielen Experten geforderten Rücknahme aus dem Handel. Anstattdessen versuchte sie warnende Ärzte einzuschüchtern oder durch Einflußnahme auf die Redaktionen von wissenschaftlichen Zeitschriften Veröffentlichungen zu verhindern, die über fundierte Ergebnisse von Untersuchungen über die Schädlichkeit des Contergan berichteten. Hierdurch hat sie Mißbildungen bei weltweit über 10.000 und in Deutschland ca. 7000 Kindern an Armen und Beinen, Augen und Ohren, inneren Organen und Genitalien verursacht, die so schwer waren, daß in Deutschland ca. 4000 von ihnen ihre Körper- und Gesundheitsschäden nicht überlebten. Weniger bekannt ist, daß Grünenthal hierdurch auch bei tausenden (erwachsenen!) Verbrauchern äußerst schmerzhafte und irreparable Nervenschäden (Thalidomidpolyneuritis) verursachte, die nach längerem Contergan-Gebrauch - der allerdings von Grünenthal selbst empfohlen wurde - auftraten. Erst nach dem die Öffentlichkeit durch einen Zeitungsartikel in der "Welt am Sonntag" vom 26. November 1961 unterrichtet wurde, zog Grünenthal Contergan aus dem Handel.

Am 10. März 1967 erstellte die Staatsanwaltschaft Aachen die über 900 Seiten umfassende Anklageschrift gegen Leiter und Angestellte Grünenthals. Die erste große Strafkammer des Landgerichts Aachen eröffnet am 18. Januar 1968 das Hauptverfahren. Am 27. Mai 1968 begann die Hauptverhandlung in den Casino-Betrieben der Grube Anna in Alsdorf bei Aachen. Nebenkläger waren die Eltern von etwa 220 Contergankindern.

Schon während des Strafprozesses hatte Grünenthal zugegeben, die Presse manipuliert zu haben, um der Öffentlichkeit die tatsächlichen und für sie vernichtenden Ergebnisse der Beweisaufnahme zu verheimlichen. Der ehemalige Justizminister des Landes NRW Neuberger (SPD), dessen Anwaltssozietät einen der Grünenthalverantwortlichen vertrat, wurde in seiner Eigenschaft als oberster Dienstherr der Staatsanwaltschaft während des Strafprozesses zugunsten Grünenthals tätig und nahm maßgeblich Einfluß auf das Verfahren. Am 242. Verhandlungstag des Conterganstrafprozesses muβten die Vertreter der Nebenkläger gegen den beisitzenden Richter, dem Landgerichtsdirektor Melster, einen Befangenheitsantrag stellen, weil dieser bei einem heimlichen Gespräch mit einem Verteidiger der Grünenthalverantwortlichen gesehen wurde. Als sich auch die Staatsanwaltschaft auβerstande sah, dem Ablehnungsantrag entgegenzutreten, erklärte sich der betreffende Richter selbst für befangen und schied so aus dem Verfahren aus. Das Strafverfahren gegen die Grünenthalverantwortlichen wurde am 18. Dezember 1970 wegen Geringfügigkeit und mangelndem öffentlichen Interesse eingestellt.

Am 10. April 1970 schloßen die Eltern der damaligen Contergankinder mit der Firma Chemie Grünenthal einen Vergleich. Sie verzichteten darin auf Schadensersatzansprüche in Milliardenhöhe gegen einen Entschädigungsbetrag von 100 Millionen DM plus Zinsen. Mit Unterstützung des ehemaligen Bundesjustizministers Gerhard Jahn (SPD) enteignete Grünenthal die Betroffenen hinsichtlich dieser Gelder und rief damit am 31. Oktober 1972 ein Stiftungsgesetz ins Leben, das heute eine nach Schadensgrad bemessene, monatliche Höchstrente von lediglich 1024,- DM durch eine Stiftung an die Betroffenen ausschütten läßt. Von dem Sozius der Kanzlei des Justizministers Neuberger wurde die Verankerung einer gesetzlichen Regelung durchgesetzt, die eine Geltendmachung von Regreßansprüchen seitens der Geschädigten wegen der bei ihnen in den letzten Jahren aufgetretenen, erheblichen Nachfolgeschäden gegenüber Grünenthal für immer unmöglich macht. Auch sorgte Grünenthal dafür, daß ihr früherer Firmensyndikus Herbert Wartensleben einen Posten in der Stiftung erhielt. Wartensleben läßt sich seitdem perfiderweise immer wieder als Wohltäter der Betroffenen feiern.

40 Jahre Contergan / Mahnwache


Presseerklärung vom 25.09.1997


Sehr geehrte Damen und Herren,

wir werden zusammen mit dem Interessenverband Contergangeschädigter Nordrhein-Westfalen e.V. und dem Interessenverband Contergangeschädigter und deren Angehörige - Contergangeschädigten Hilfswerk - Bezirk Köln e.V. in der Nacht vom 30.9. auf dem 1.10.1997 vor den Fabriktoren der Firma Chemie Grünenthal, Zweifaller Straße, in Stolberg bei Aachen eine Mahnwache mit internationaler Beteiligung abhalten. Die genehmigte Veranstaltung wird am 30.9. um 20 Uhr beginnen und endet am 1.10.1997 um 12 Uhr. Die Mahnwache wird von den United International Thalidomides (UNITH) solidarisch unterstützt.

Die Firma Grünenthal brachte vor 40 Jahren, am 1. Oktober 1957, Contergan und andere thalidomidhaltige Präparate in den Handel, ohne sie ordnungsgemäß geprüft zu haben und ohne die Einnahme während der Schwangerschaft auszuschließen. Die Firma Grünenthal verkaufte diese Präparate selbst dann noch weiter, als tausende Meldungen aus aller Welt bei ihr eingingen, die über schwerste Gesundheitsschäden - verursacht durch deren Einnahme - berichteten. Hierdurch verursachte sie vorgeburtliche Fehlbildungen bei weltweit etwa 8000 - 12000 Kindern, die so schwer waren, daß ein Großteil von ihnen ihre Körper-und Gesundheitsschäden nicht überlebten. Gleichzeitig erlitten tausende Verbraucher irreparable Nervenschäden. Trotz alledem weigerte sich Grünenthal stets, diese Präparate aus den Handel zu ziehen. Dazu war sie erst bereit, nach dem die Öffentlichkeit durch einen Zeitungsartikel im November 1961 über diese Vorgänge unterrichtet wurde. Zur Zeit wird der Wirkstoff Thalidomid in 47 Ländern der Erde vertrieben. In Brasilien wird er insbesondere zur Dämpfung von Nebenwirkungen bei der Leprabehandlung eingesetzt - mit der Folge, daß seit den 70er Jahren zahlreiche geschädigte Kinder lebend oder tot geboren wurden und werden. Nach einer Nachrichtenmeldung vom 23.9.1997 um 12 Uhr im WDR 2 ist der Wirkstoff Thalidomid in den USA wieder auf dem Markt erhältlich. In verschiedenen europäischen Staaten wird er als "Wundermittel" z.B. bei Folgeerkrankungen von AIDS, bei Krebs und Multiples Sklerose erprobt.

1. Wie bei der ersten Mahnwache vor zehn Jahren möchten wir in stiller Trauer den damals und heute vielen tausend durch Thalidomid Umgekommenen gedenken und deshalb um 0 Uhr einen Kranz und ein Blütenmeer aus weißen Nelken vor den Werkstoren niederlegen, wobei jede einzelne Nelke für je einen oder mehrere Verstorbenen steht.

2. Wir wollen auf die Problematik des gegenwärtigen Einsatzes von Thalidomid und seine Folgen aufmerksam machen. Auch wenn Thalidomid in Einzelfällen angeblich anschlägt und den betroffenen Patienten Linderung verschafft, haben wir den Verdacht, daß es gegenwärtig mehr darum geht, eine allgemeine Akzeptanz für die offizielle Wiedereinführung von dem angeblichen “Wundermittel” Thalidomid zu schaffen. Das Wunderbare an diesem "Wundermittel" ist nämlich sein niedriger Herstellungspreis.

3. Nach wie vor bestehen wir auf unser Recht, von Grünenthal gerecht entschädigt zu werden. Auch wenn die deutsche Justiz in ihren demütigenden Conterganurteilen uns dieses Recht stets absprach, bleibt dieses Recht bestehen. Das Beispiel Brentspar hat gezeigt, daß das öffentliche Gewissen besser ist als das der Justiz. Dabei appellieren wir nicht an das moralische und ethische Gewissen der Grünenthaleigentümer. Ihr Verhalten uns gegenüber war bisher gewissenlos. Es wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

Mit dieser Mahnwache fordern wir:

- Die Firma Chemie Grünenthal führt eine weltweite Informationskampagne mit dem Ziel durch, in den Entwicklungsländern über die Gefahren bei der Einnahme von Thalidomid aufzuklären und dem Mißbrauch vorzubeugen.

- Die generelle Wiedereinführung von Thalidomid in den Handel muß solange verhindern werden, bis der Nachweis einer positiven Wirkung bei bestimmten Indikationen erbracht wurde und eine Nutzen-Risiko-Abwägung im Vergleich mit anderen, insbesondere auch teureren Medikamenten einen eindeutigen Vorteil für Thalidomid ergibt. Bei einer erneuten Markteinführung von Thalidomid sind die dabei erzielten Gewinne von der jeweiligen Vertriebsfirma in dem Vertriebsland als Entschädigungsleistungen an die Thalidomidopfer abzuführen.

- Die Abgabe bzw. Einnahme in Einzelfällen erfolgt ähnlich wie bei den Methadon-Programmen nur unter ärztlicher Aufsicht.

- Die Firma Chemie Grünenthal bekennt sich zu ihrer Verantwortung und kommt für sämtliche Gesundheits- und Folgeschäden der Geschädigten in den Ländern auf, in denen sie Thalidomid selbst eingeführt, vertrieben, die Einführung mitinitiiert oder dessen Marktentnahme verhindert oder verzögert hat.

30 Jahre Contergan / Störungen durch Grünenthal


Pressemitteilung vom 24.09.1987


Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicherlich schon wissen, bereitet der Interessenverband der Contergangeschädigten und deren Angehörigen Köln e.V., Telefon 0221-491061, anläßlich des 1. Oktobers 1987, dem 30. Jahrestages der Einbringung des Arzneimittels Contergan, jeweils in der Nacht zum 1. Oktober 1987 um 24 Uhr vor den Werkstoren der Firma Grünenthal (Zweifaller Str., Stolberg bei Aachen) eine Mahnwache zum Gedenken an die 4000 an Contergan Verstorbenen und um 12 Uhr des 1. Oktober einen von dort ausgehenden Schweigemarsch bis zum Rathausplatz mit anschließender Kundgebung vor. Die gesamte Veranstaltung wird von uns der Föderation Conterganbehinderter und deren Freunde e.V. sehr begrüßt und voll unterstützt.

Wie wir jedoch erfahren haben, soll diese Veranstaltung durch angebliche Tierversuchsgegnergruppen gestört werden.

Der ortsansässigen Tierversuchsgegner NRW e.V., Arbeitsgruppe Aachen, Am Vogelsberg 12, 5190 Stolberg, Tel: 02402-23238, versicherte uns, daß zwar im gesamten Umkreis eine anonyme Aufforderung kursiere, am 1. Oktober 1987 zu einer angeblichen Demonstration von Tierversuchsgegnern zu kommen, aber eine solche Ladung von ihm nicht erfolgt ist und man auch schon allein, um die Inhalte unserer Veranstaltung nicht mit zusätzlichen Themen zu belasten, niemals dazu geladen hätte.

Da zudem auch noch üble Gerüchte über die angebliche Durchführung und den Verlauf der von uns geplanten Veranstaltung sowie deren Veranstalter im Umlauf sind, befürchten wir, daß es sich hierbei um von Grünenthal inszenierte Manöver handelt, um zu verhindern, daß diese Veranstaltung ordnungs- und plangemäß verläuft.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Meyer
1. Vorsitzender



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Bund Contergangeschädigter
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