50 Jahre Contergan Mahnwache

Am 1. Oktober 1957 brachte die Firma Grünenthal GmbH Contergan und andere thalidomidhaltige Präparate in den Handel.

Anläßlich des 50. Jahrestages dieses Ereignisses haben wir in der Nacht vom 30. September auf dem 1. Oktober 2007 vor den Toren Grünenthals bzw. der Mäurer & Wirtz- und Dalli-Werke die ganze Nacht hindurch eine Mahnwache abgehalten.

Der BCG erinnerte mit der Mahnwache an das rücksichtslose Vorgehen Grünenthals und gedachte der 4000 in der Vergangenheit geschädigten und dabei umgekommenen Menschen. Vor der Toreinfahrt der Firma Grünenthal haben wir aus roten Grablichtern den Schriftzug “Contergan” gezogen. Um Punkt 0 Uhr wurden von den anwesenden ca. 50 Betroffenen neben einer kurzen Ansprache für die Verstorbenen weiße Blumen und Kränze vor den beiden Werkseinfahrten niedergelegt.

Des weiteren fand um ca. 1 Uhr 30 eine Pressekonferenz statt. Auf der Pressekonferenz hat sich der BCG erstmals der breiten Öffentlichkeit als neue Bundesorganisation für die Conterganopfer mit seinen Zielsetzungen vorgestellt. In der Presseerklärung haben wir die anwesenden Medienvertreter über die historischen Ereignisse des Conterganskandals sowie die schlechte Entschädigung und über die schwierige, soziale und medizinische Situation der heute lebenden Betroffenen informiert.

Hinsichtlich der heutigen Situation der Betroffenen haben wir folgende Punkt benannt:

- gesundheitliche Folgeschäden an den Gelenken, aber auch an den Organen
- Schmerzen und Therapiebedarf, der mit zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden ist
- frühzeitiger Verlust der körperlichen Beweglichkeit und Eigenständigkeit (Mobilität)
- überdurchschnittlich häufige Frühverrentungen aufgrund der Folgeschäden
- zu erwartende Frühverrentung fast aller Betroffenen vor Ablauf des regulären Arbeitslebens
- kein finanzieller Ausgleich im Falle der Frühverrentung
- Verlust des sozialen Status, oder auch die berechtigte Angst vor diesem Verlust
- keine Arbeit bedeutet "keine Unterstützung für KFZ-Umbauten" und andere benötigte Hilfsmittel
- in vielen Fällen gab es überhaupt keinen Einstieg ins Berufsleben, weil die Betroffenen von Anfang an erwerbsunfähig waren

Zugleich wurde die gesamte Veranstaltung durch viele Gespräche zum Erfahrungsaustausch unter den Betroffenen genutzt.

Während der gesamten Veranstaltung haben wir eine Selbstdarstellungsbroschüre zur Mitnahme ausgelegt.

Wie in den Medien vielfach berichtet, hat der BCG zudem nach englischem Vorbild die Öffentlichkeit zu einen Kaufboykott von Mäurer & Wirtz- sowie Dalli-Werke-Produkten wie z.B. Dalli-Waschmittel, die Parfum und Aftershave-Kollektionen von Tabac, Nonchalance, Tosca und 4711 aufgerufen.

Am 1. Oktober 2007 haben wir noch als kleine Satireveranstaltung eine Gründungsfeier der Grünenthaleigentümer abgehalten. Mit der Gründungsfeier der Grünenthaleigentümer haben wir darauf hingewiesen, dass der angerichtete Gesamtschaden so groß ist, dass das Unternehmen eigentlich den Geschädigten übereignet werden müßte. Die dort gehaltene und an den Grünenthal-Geschäftsführer, Sebastian Wirtz, gerichtete Rede einer betroffenen Teilnehmerin hätten wir gerne Herrn Wirtz an einem der Werkstore persönlich überreicht. Der Werksschutz verweigerte aber die Annahme des Redemanuskripts.


Programmablauf Mahnwache

Datum: Sonntag, der 30. September 2007

Versammlungsort: Firma Grünenthal, Werksteil 2, Zweifaller Straße 112, 52224 Stolberg

20,00 Uhr: Ankunft der ersten Teilnehmer

22,00 Uhr: Ziehen des Schriftzuges „Contergan” aus roten Grablichtern

0,00 Uhr: Ansprache sowie Blumen- und Kranzniederlegung

1 Uhr 30: Pressekonferenz

2 Uhr 30: Fortsetzung der Mahnwache die ganze Nacht hindurch



Programmablauf Satireveranstaltung

Datum: Montag, der 1. Oktober 2007

Versammlungsort: Firma Grünenthal, Werksteil 2, Zweifaller Straße 112, 52224 Stolberg

9,00 Uhr: Satireveranstaltung


Gerade aufgrund der unglaublich starken Medienpräsenz konnten wir in vielen Interviews die Öffentlichkeit auf die schwierige, soziale und medizinische Situation der Conterganopfer aufmerksam machen. Darüber hinaus konnten wir die Allgemeinheit informieren, dass das Firmenkonsortium Mäurer & Wirtz und die Dalli-Werke der Grünenthaleigentümer-Familie Wirtz gehören. Auch ist es uns auf diesem Wege gelungen, dass die genannten Produkte des Firmenkonsortium und auch das Firmenkonsortium selber nunmehr synonym mit den Contergan-Skandal assoziiert werden. Erfolgreich konnten wir zudem vermitteln, dass der Gesamtschaden beim Contergan-Skandal mit 5 Milliarden Euro zu beziffern ist und die gesamte Schadensabwicklung im Conterganfall nur dazu diente, die Familie Wirtz hinsichtlich der Zahlung einer gerechten Entschädigung zu verschonen und die Schadenslast sowohl auf die Conterganopfer und die Allgemeinheit abgewälzt wurde. Ebenso war es uns möglich, der Öffentlichkeit mit zu teilen, dass nach der Auffassung des BCG die bisherigen Entschädigungslösungen nichtig sind und wir mit unserem Boykottaufruf die Ursprungsansprüche in Höhe von 5 Milliarden Euro wieder einfordern.

Für das große Medieninteresse möchten wir an dieser Stelle allen Journalisten sowie Rundfunk- und Fernsehteams, die sich die Mühe gemacht haben, nach Stolberg zu fahren und uns zu begleiten, nochmals unseren Dank aussprechen.


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Bund Contergangeschädigter
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